In Schwetzingen wurde schon im Jahr 1884 eine Kolonne des Deutschen Roten Kreuzes ins Leben gerufen. In dieser Kolonne waren hauptsächlich Männer des sogenannten „Männerhilfsvereins , die im vorangegangenen deutsch-französischen Krieg von 1870/71 zusammen mit Frauen in Notlazaretten in den Zirkelsäälen des Schwetzinger Schlosses Verwundete beider Nationalitäten gepflegt hatten.

Seit 1974 befindet sich der Ortsverein Schwetzingen unter dem Dach des ehemaligen städtischen Krankenhauses in der Maximilianstr. 5.

 

Von der Historie einer Idee bis zum DRK Ortsverein Schwetzingen

Henry Dunant

Henry Dunant (* 8. Mai 1828 in Genf; † 30. Oktober 1910 in Heiden), geboren als Jean-Henri Dunant, war ein Schweizer Geschäftsmann und ein Humanist christlicher Prägung. Während einer Geschäftsreise wurde er Zeuge der erschreckenden Zustände unter den Verwundeten nach einer Schlacht zwischen der Armee Österreichs sowie den Truppen Piemont-Sardiniens und Frankreichs unter Napoleon III. Am Abend des 24. Juni 1859 kam Dunant nach der Schlacht am Schlachtfeld in der Nähe von Solferinos vorbei. Noch immer lagen etwa 38.000 Verwundete, Sterbende und Tote auf dem Schlachtfeld, ohne dass ihnen jemand Hilfe leistete. Zutiefst erschüttert von dem, was er sah, organisierte er spontan mit Freiwilligen aus der örtlichen Zivilbevölkerung, hauptsächlich Frauen und Mädchen, die notdürftige Versorgung der verwundeten und kranken Soldaten. In der Kleinstadt Castiglione delle Stiviere in unmittelbarer Nähe zu Solferino richtete er mit anderen Helfern in der Chiesa Maggiore, der größten Kirche des Ortes, ein Befehlshospital ein. Hier wurden etwa 500 der insgesamt etwa 8.000 bis 10.000 Verwundeten versorgt, die nach Castiglione gebracht worden waren.

Wie er schnell feststellte, fehlte es an fast allem: an Helfern, an Fachwissen und an medizinischem Material und Verpflegung. Dunant und die seinem Aufruf folgenden Helfer machten bei ihrer Hilfeleistung keinen Unterschied zwischen den Soldaten hinsichtlich ihrer nationalen Zugehörigkeit. Berühmt für diese Einstellung wurde die Lösung „Tutti fratelli“ (ital. Alle sind Brüder) der Frauen von Castiglione.
Über seine Erlebnisse schrieb er ein Buch mit dem Titel Eine Erinnerung an Solferino, das er 1862 auf eigene Kosten veröffentlichte und in Europa verteilte. Darin beschrieb er die Schlacht, das Leiden, und die chaotischen Zustände in den Tagen nach der Schlacht. Darüber hinaus entwickelte er in diesem Buch die Idee, wie zukünftig das Leid der Soldaten verringert werden könnte: Auf einer Basis von Neutralität und Freiwilligkeit sollten in allen Ländern Hilfsorganisationen gegründet werden, die sich im Fall einer Schlacht um die Verwundeten kümmern würden.

In der Folge kam es ein Jahr später in Genf zur Gründung des Internationalen Komitees der Hilfsgesellschaften für die Verwundetenpflege, das seit 1876 den Namen Internationales Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) trägt. Die 1864 beschlossene Genfer Konvention geht wesentlich auf Vorschläge aus Dunants Buch zurück. Henry Dunant, der danach aufgrund geschäftlicher Probleme und seines darauf folgenden Ausschlusses aus der Genfer Gesellschaft rund drei Jahrzehnte lang in Armut und Vergessenheit lebte, gilt damit als Begründer der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung. Im Jahr 1901 erhielt er für seine Lebensleistung zusammen mit dem französischen Pazifisten Frédéric Passy den ersten Friedensnobelpreis.

In den Ländern des Deutschen Reiches erfolgte die Gründung von Rot-Kreuz-Gemeinschaften zunächst relativ unabhängig voneinander, meist auch unter anderem Namen. Am 12. November 1863 wurde der Württembergische Sanitätsverein als erste Nationale Rot-Kreuz-Gesellschaft auf dem Gebiet des späteren Reiches gegründet, als zweite folgte im Januar 1864 der Verein zur Pflege verwundeter Krieger im Großherzogtum Oldenburg.  Ein Großteil der Arbeit des Roten Kreuzes wurde am Anfang vor allem Frauen getragen (Vaterländischer Frauenverein). Am 25. Januar 1921 wurde in Bamberg das Deutsche Rote Kreuz gegründet, als eingetragener, rechtsfähiger Verein bürgerlichen Rechts und Dachorganisation der jeweiligen Landesvereine (Männer- und Frauenvereine) vom Roten Kreuz.

Die Neuorganisation der deutschen Rot-Kreuz-Gesellschaften war notwendig geworden, um zahlreichen Angriffen von außen und innerorganisatorischen Problemen ein Konzept organisatorischer Geschlossenheit entgegenzusetzen. Insbesondere durch den Versailler Friedensvertrag vom 28.06.1919 waren die deutschen Rot-Kreuz-Vereine in eine ernste Krise gestürzt worden. Die darin angestrebte Abrüstung Deutschlands und die Entmilitarisierung des öffentlichen Lebens gefährdete die Existenz weiter Teile der Organisation, deren vornehmliche Aufgabe bisher in der mitärisch organisierten Vorbereitung auf den Kriegssanitätsdienst bestand. Die Satzung von 1921 versuchte diesen Problemen Rechnung zu tragen und dem Deutschen Roten Kreuz eine internationale und vorwiegend auf Friedensaufgaben orientierte Legitimationsgrundlage zu geben.

Das DRK wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in der sowjetischen und der französischen Besatzungszone aufgelöst. In der amerikanischen Besatzungszone (heute der nördliche Teil von Baden-Württemberg, Bremen, Hessen und Bayern) konnte das DRK dagegen in seiner bisherigen Rechtsform der „Körperschaft des öffentlichen Rechts“ weiterarbeiten, während in der britischen Zone und später auch in der französischen Zone DRK-Landesverbände als „eingetragene Vereine“ neu gegründet wurden.
Das „Deutsche Rote Kreuz in der Bundesrepublik Deutschland e.V.“ als Bundesverband wurde am 04.02.1950 wiedergegründet. Kurze Zeit später wurde es durch die Bundesregierung als nationale Rot-Kreuz-Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland anerkannt, die Anerkennung durch das IKRK erfolgte am 25.06.1952.

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) ist die Nationale Rot-Kreuz-Gesellschaft in Deutschland nach den Genfer Abkommen und als solche Teil der internationalen Rot-Kreuz- und Rot-Halbmond-Bewegung mit Hauptsitz in Berlin. Mit knapp fünf fünf Millionen Mitgliedern ist es der zweitgrößte nationale Verband der Bewegung.